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Kultur Die nicaraguanische Kultur besteht aus einer Mischung aus indigenen und spanischen Traditionen. Religiöse Feste: Ein
Großteil der Feierlichkeiten stammt aus der katholischen Religion,
die von der spanischen Kolonialmacht eingeführt wurde. In den sogenannten
„fiestas patronales“ (Stadtheiligenfeste), die in der Tradition
der Dörfer und Städte fest verwurzelt sind, werden Heilige und
Jungfrauen verehrt.Diese Feste sind voller Kolorit, Speisen und Getränke, Feuerwerk, Musik, Volkstänze, Reiterparaden, Stierkämpfe, Gelübde einlösende Pilger und religiöse Zeremonien und dauern manchmal tagelang. In ihnen spiegelt sich die Essenz der nicaraguanischen Kultur wider. Die der unbefleckten Empfängnis Mariäs gewidmete “Purísima” ist das beliebteste religiöse Fest des Landes. Gebete, Gesänge und Geschenke an die Gläubigen sind die Grundbestandteile dieser Tradition, die neun Tage dauert und am 7. Dezember mit einer „Gritería“ endet, einer Feier mit vielen Liedern und Musik zu Ehren der Jungfrau, die zur gleichen Zeit in ganz Nicaragua zelebriert wird - mit der größten Inbrunst und Freude jedoch in der Stadt León. Musik: Die
„Marimba“ (hölzernes Xylophon) ist eines der populärsten
Instrumente in Nicaragua und wird oftmals von Gitarre und Rasseln begleitet.Die “Chicheros” sind ebenfalls sehr populäre Volksmusikgruppen, die auf den „fiestas patronales“ (Stadtheiligenfesten) nie fehlen. Trommel, Pauke und Becken verleihen ihnen ihren unverwechselbaren Klang. Die Musik der Atlantikküste, “Palo de mayo” genannt, ist typisch afrokaribisch und hat einen intensivem Rhythmus. Daneben gibt es Rhythmen, die aus der Zeit der spanischen Eroberung stammen, wie „Toro Guaco“ und „El Güegüense oder Macho Ratón“. Die nicaraguanische Musik umfasst fernerhin ein grosses Repertoire an schönen Stücken, die von nationalen Künstlern komponiert oder zusammengestellt wurden, z.B. „La Mora Limpia“, „Alforja Campesina“ „Son tu perfumenes mujer“, oder „El nandaimeño“. Zu
den bedeutendsten Liedermachern gehören die Brüder Carlos
und Luis Enrique Mejía Godoy, mit Liedern wie „Nicaragua,
Nicaragüita“ und „Somos hijos del maíz“
(Wir sind die Kinder des Mais). Ihre Lieder sind ein authentisches Beispiel
für die nicaraguanische Volkssprache, Gebräuche und Traditionen,
und enthalten auch Bezüge auf historische Ereignisse.Weitere hervorragende Komponisten und Sänger sind Camilo Zapata, Otto de la Rocha, Norma Helena Gadea, Salvador und Katia Cardenal, Philip Montalván, Erwin Krüger, José de la Cruz Mena und Jorge Isaac Carvallo. Dank dieser großen Zahl an Künstlern verfügen die Nicaraguaner über eine vielfältige musikalische Palette, die dazu beiträgt ihre Identität und Heimatliebe zu verfestigen. Tänze: Nicaraguanische Tänze sind ein schillernder Bestandteil der nicaraguanischen Kultur. Sie spiegeln vor allem das Mestizentum und die Gebräuche der Bevölkerung wider. Viele Städte haben ihre eigenen typischen Tänze. In Masaya zum Beispiel wird der mit Gitarre und Marimba gespielte „Son nica“ getanzt; in Carazo der Tanz des „Toro Guaco“ und „El Güegüense oder Macho Ratón“; in Managua während des Stadtheiligenfestes von Santo Domingo der „Baile de la Vaca“ (Kuhtanz); im Norden die auf den europäischen Einfluss zurückgehende Mazurka und Polka; und an der Karibikküste den sinnlichen Tanz „Palo de Mayo“ (Maibaum). Die beim Tanzen getragene Kleidung variiert je nach Ort. Typischerweise besteht sie für Frauen aus einem „huipil“ (einer Bluse) und einer weiten und langen „enagua“ (Rock), mit Rüschen und leuchtenden Farben, ergänzt von Blumen, Schleifen und ins Haar geflochtenen Bändern. Der Mann trägt eine cotona (Hemd) aus weissem Baumwollstoff und eine kurze, schmucklose Hose, dazu ein Taschentuch am Hals und ein Hut auf dem Kopf.
![]() Je nach Tanz kommen noch Accessoires wie Federn, Pailetten, Fächer, Körbe, Tontöpfe und Masken dazu. Die bekanntesten Tänze sind “Baile de Las Negras” (Tanz der schwarzhäutigen Frauen), der “Baile de Las Inditas“ (Tanz der kleinen Indianerinnen), „El Viejo y la Vieja“ (Der Alte und die Alte), „El mate amargo“ (Bitterer Mate), und „El torovenado“. Poesie: Nicaragua ist eines der lateinamerikanischen Länder mit der größten Zahl Dichter und Schriftsteller. Die zwei wichtigsten Zeitungen des Landes haben je eine literarische Beilage, die jede Woche ein Forum für alte und neue wertvolle Werke nationaler Dichtkunst bieten. Zusätzlich findet in Granada, einer der touristisch interessantesten Städte, seit dem Jahr 2005 in den ersten Februartagen ein Internationales Festival der Dichtkunst statt. Der
zweifellos bedeutendste Vetreter der nationalen Dichtkunst ist Rubén
Darío. Auf ihn gehen wichtige Erneuerungen in Metrik und
Stil zurück. Er wurde „Vater des Modernismus“ genannt,
einer kulturellen Bewegung, die in der spanischsprachigen Literatur des
ausgehenden 19. Jahrhunderts große Bedeutung errang.Zu seinen Werken zählen “Azul” (Blau), “Prosas profanas”(Profane Prosa) und “Cantos de Vida y Esperanza” (Lieder des Lebens und der Hoffnung). Auch die Bewegung der Postmoderne leistete einen wichtigen Beitrag zur nationalen Dichtkunst, u.a. die Leoneser Dichter Azarías H. Pallais, Alfonso Cortéz und Salomón de la Selva. Später entstand in Granada die Avantgarde-Bewegung mit José Coronel Urtecho an der Spitze, sowie Pablo Antonio Cuadra, Manolo Cuadra und Joaquín Pasos. Weitere bedeutende Dichterinnen und Dichter sind Daisy Zamora, Michele Najlis, Vidaluz Meneses, Julio Valle Castillo, Claribel Alegría, Julio Cabrales und Ernesto Cardenal, der nicht nur ein berühmter Dichter war, sondern auch Schriftsteller und Bildhauer. Literatur: Nicaragua besitzt ein als Meisterwerk des mündlich überlieferten und nicht-materiellen Erbes der Menschheit eingestuftes literarisches Werk, „El Güegüense oder Macho Ratón“, eine indigene Satire über den spanischen Konquistador in Form eines musikalischen Theaterstücks. Der Urheber ist unbekannt, das Entstehungsdatum wird auf Mitte des 17. Jahrhunderts gesetzt. Es wurde vom deutschen Forscher Carl Hermann Berendt 1874 in Masaya aufgeschrieben und 1883 vom US-Amerikaner Daniel G. Brinton veröffentlicht. Der Name Güegüense beruht auf dem Náhuatl-Wort für alt, „huehue“. „Macho ratón“ ist ein Begriff, der, so heißt es, für „Fremde“ oder blonde Menschen verwandt wurde. Die Darsteller tragen prachtvolle Kleidung aus der Epoche und ihre Gesichter werden von Masken bedeckt, die die Spanier personifizieren, und Pferdemasken, die den Macho Ratón darstellen. Der Güegüense, geistreich und voller Schelmerei, mit doppelsinnigen Sätzen, die die Macht und Bürokratie bespötteln, ist eine gesellschaftliche Anklage. Im Bereich der modernen lateinamerikanischen Literatur sind die bekanntesten nicaraguanischen Repräsentanten Sergio Ramírez mit „Castigo Divino (Göttliche Strafe)“, „Margarita está linda la mar (Margarita das Meer ist schön)“ und „Adiós muchachos“, und die Schriftstellerin und Dichterin Gioconda Belli mit „Mujer habitada (Bewohnte Frau)“, „El país bajo mi piel (Die Verteidigung des Glücks)“ und „Pergamino de la seducción (Das Manuskript der Verführung“). |
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